Erweiterung des bestehenden Wohnhauses und Errichtung einer Büroeinheit und einer Einliegerwohnung

Baujahr

2013

“Das alte Domizil des Bauherrn, 2001 erbaut, erwies sich im Laufe der Zeit zu klein für Wohnen und Arbeiten. Nach dem Erwerb des Nachbargrundstücks und dem Abbruch der alten Aufbauten sollte das bestehende zweieinhalbgeschossige Einfamilienwohnhaus mit giebelständigem Pultdach um einen „gleichgewichtigen Neubau“ erweitert und gestalterisch zu einem Gebäudeensemble verknüpft werden. Bei der Planung zur Erweiterung des bestehenden Wohnhauses und Errichtung einer Büroeinheit, einer Einliegerwohnung und zwei PKW-Doppelgaragen waren eine Vielzahl von städtebaulichen, gestalterischen und konstruktiven Parametern zu bewältigen. Hierbei war insbesondere die extrem heterogene städtebauliche Situation der direkten, grenz- und straßenraumständigen Nachbarbebauungen mit teilweise angrenzenden Hinterlandaufbauten zu berücksichtigen. Abstandsflächenvorschriften waren ebenso prägend. Der Wunsch der Bauherrschaft war, ihrem ca. 15 m von der Straßenkante zurückversetztem Wohnhaus mit dem voll unterkellerten, zweigeschossigen Erweiterungsbau und den vorgelagerten, beidseitig zu den Grundstücksgrenzen symmetrisch angeordneten Doppelgaragen eine gemeinsame zentrale Erschließung zu schaffen und so mit dem Zugang einen zeitmäßigen und repräsentativen Ausdruck zu verleihen. Bedingt durch die Hangkante zur Siegaue und dem bauordnungsrechtlichen Zwang der teilweisen Grenzbebauung zum Nachbarbestandsgebäudes ergab sich nicht nur die überwiegende Orientierung der Räume zur Südseite. 

Die Ergebnisse:

Im Souterrain wurde eine großzügige Zweizimmereinliegerwohnung mit vorgelagerter Terrasse und einem seitlichen, separaten Eingang erbaut. Im Erdgeschoss befindet sich im vorderen Bereich, der zum Vorplatz axial angeordnete Eingang zur Kanzlei des Bauherren mit Wartezone, dem Sekretariat und diversen Nebenräumen, dem Treppenabgang zum Archiv und Technik sowie dem Verbindungsdurchgang zum Dielenbereich des Bestandsgebäudes. Der hintere Bereich zur Süd- und Gartenseite wurde der Privatnutzung zugeordnet, durch einen breiten Durchbruch der Bestandsgebäudebrandwand entstand so eine großzügige Raumfolge über die gesamte Gebäudebreite der verknüpften Benstands- und Neubauteile zu einer Bar, zu einem Essbereich und einem sehr großzügigen Wohnbereich mit Bibliothek. Dort wurde eine von Wohnbereich und Bibliothek aus zugängliche Dachterrasse als Pendant und Ergänzung des bestehenden Essbereichbalkons umgesetzt. Das Obergeschoss ist ausschließlich der Kanzlei vorbehalten, hier befinden sich die Büros, die Sanitärräume und der an der Südseite mit Panoramablick zum Siebengebirge über die gesamte Gebäudebreite angeordnete Konferenzraum mit stirnseitig vorgelagerter Dachterrasse. Dem vielgestaltigen Bestandsbau aus dem Jahr 2001 wurde eine, trotz mehrfacher Kubenversprünge stringent gerasterte und ruhig gegliederte Ergänzung zugefügt, welche zur Straße sogar eher abweisend wirkt und so in Verbindung mit dem als Spange vorgelagerten und mit dem beide Baukörper übergreifenden Lamellenvorhang zu einer gestalterischen Einheit bringt.“

aus Architektur Exklusiv Lifestyle Ausgabe Juli/August 2016, S. 10

 

Fotografien: © Bernd-Michael Maurer